HANGO PJB 100 (Der Veteran)

Einleitung

Der Klassiker unter den HDD basierten Geräten. Lange Zeit war der Hango der einzige Festplatten MP3 Player am Markt. Damals noch eine sensationelle Neuheit und mit einer gigantischen 4,7 GB Platte versehen. Mittlerweile ist er etwas in die Jahre gekommen. Der folgende Test wird zeigen, ob er sich mit der jüngeren Konkurrrenz noch messen kann.

Die PJB100 wurde ursprünglich in einem Compaq Labor entwickelt, dann in Fernost hergestellt und durch die Firma HanGo vertrieben. Man bekommt das Gerät auch heute noch direkt beim europäischen Distributor oder bei verschiedenen MP3 Player Versendern. Beim Distributor kann man auch bis heute immer wieder aktualisierte Firmware für die PJB herunterladen.

Der Lieferumfang

Diese Jukebox ist zwar etwas teurer, aber dafür ist der Lieferumfang auch absolut komplett. Neben dem Player mit 6,5 / 10 / 20 / 30 / 40 oder 60 GB Platte ist eine sehr praktische Kunstledertasche in der Box. Ausserdem ein international nutzbares 110-240 V Netzteil/Ladegerät, ein Auto Cassettenadapter, ein Autoladekabel, USB und Line-out Kabel sowie ein 1350mAh Lithium Ionen Akku (austauschbar). Last not least befindet sich einer der besten (und teuersten) portablen Kopfhörer in der Packung: ein Koss PortaPro.

Ich verwende den Koss selbst auch mit anderen MP3 Spielern und muss sagen: ein Hörer mit absolut sauberem Klang, sehr gutem Bassbereich und hohem Tragekomfort. Leider hat er durch die Bauform ein etwas starkes Abstrahlverhalten, so dass ich in öffentlichen Verkehrsmitteln auch gern auf den Sony MDR-EX70LP zurückgreife.

Die Hardware

Der Player kommt in einem sauber verarbeiteten Plastikgehäuse. Neben dem abgebildeten Silber gibt es ihn noch in transparentblau und schwarz. Gemessen an modernen HDD Geräten wirkt die PJB100 etwas klobig. Nichtsdestotrotz liegt das Gerät wegen seines Formfaktors gut in der Hand.

Einen Vergleich mit einer Creative JB1 oder 3 muss die PJB nicht fürchten. Ein Archos ist zwar etwas kleiner, hat aber durch seine Grösse im Vergleich zum Gewicht eine deutlich höhere Masse. Im direkten Vergleich mit dem iPod verliert er natürlich, aber im iPod wird ja auch eine andere Festplattenbauart (1,8") verwendet, so dass der Vergleich etwas unfair ist.

Das Display der Personal Jukebox ist einfach gigantisch. Man hat wirklich alle erdenklichen Informationen zum laufenden Programm im Überblick. Das Display hat eine Hintergrundbeleuchtung und ist sehr gut ablesbar.

Alle Bedienelemente sind rund um das Display angeordnet. Die Tasten sind allesamt versenkt angebracht und haben einen klar definierten Druckpunkt. Durch die längliche, flache Form des Gerätes lassen sich alle Tasten sehr gut mit dem Daumen bedienen. während man die PJB in beiden Händen hält. Hat ein bißchen was von einem Game Controller.

Der Lautstärkeregler und ein Lock Schieber befinden sich an der rechten Gehäuseseite. Dort sind auch alle Anschlussbuchsen angebracht. Ein Kopfhörer-Ausgang, eine Standard-USB-Buchse (normale Größe !), sowie der Stromeingang. Im Gegensatz zu vielen flash-basierten Geräten, wird bei der PJB ein ganz normales Standard-USB-Kabel verwendet. Ein grosser Vorteil, da man bei Verlust (meine Kabel verschwinden oft wie von Geisterhand) für wenige Euros überall eins nachkaufen kann. Wer schon mal ein Ersatz-USB-Kabel für einen Flash Player von SonicBlue gesucht hat, weiss wovon ich rede.

Die Lautstärkeregelung über ein normales Drehrad hat ja heutzutage schon fast etwas nostalgisches, ist aber ungemein intuitiv. Die meisten Hersteller sind dazu übergegangen diese Funktion in Form von Tasten zu implementieren. Ein Druck auf das Laustärkerädchen schaltet den Player in den Pause-Modus.

Nach 2 Minuten schaltet sich der Player dann von selbst ab. Wenn er über die Pause-Funktion abgeschaltet wurde, startet er beim Wiedereinschalten übrigens sekundengenau wieder dort, wo er aufgehört hatte. Eine Funktion die vor allem Audiobook-Hörer zu schätzen wissen.

Als Energiequelle wird eine proprietäre auswechselbare LiIonen-Zelle verwendet. Nachdem ich zunächst nur Abbildungen des Akkus im Internet gesehen hatte, hatte ich vermutet, es würde sich um eine AA Size Version handeln. Als ich die Zelle dann zum ersten Mal im Original vor mir hatte, war ich dann doch etwas überrascht. Ich habe zum Vergleich mal ein Foto mit einem Vergleichsakku hier abgebildet. Ersatzakkus könne zum Preis von 39 EUR beim deutschen Importeur nachbestellt werden.

Aufgeladen wird der Akku im Gerät. Das beiliegende Netzteil ist international einsetzbar, denn HanGo war so freundlich und hat ein ganzes Sortiment an Steckern dazugelegt (ausser UK). So ist die PJB 100 auch auf Überseereisen ein zuverlässiger Begleiter.

Die Akkulaufzeiten sind mit 10 Stunden recht ordentlich (selbstgemessener Wert). Das liegt sicher auch am großzügig bemessenen DRAM Pufferspeicher, aus dem die Musik abgespielt wird. Zunächst werden 12 MB von der Festplatte aus gefüllt, dann wird die Platte sofort heruntergefahren. Auch das war damals ein wegweisendes Konzept. Alle guten HDD basierten Geräte haben heute mehr als 10 MB Puffer, der iPod mit seinen 32 MB ist hier der Spitzenreiter. Den Startvorgang der Platte hört man allerdings besonders bei leiser Musik recht deutlich. Ein Manko mit dem man scheinbar bei allen HDD Playern leben muss.

In der beiliegenden Kunstledertasche ist die PJB sehr gut geschützt. Alle Bedienelemente sind auch gut erreichbar, wenn die Jukebox verpackt ist. Nur an den USB Eingang und das Batteriefach kommt man dann nicht heran.

Die Tasche hat auf der Rückseite einen Gürtelclip. Das Kunstledermaterial der Tasche wirkt sehr hochwertig. Als ich die Tasche zum ersten Mal sah, dachte ich, auf den ersten Blick, es würde sich um eine Echtleder - Tasche handeln. Erst ein Geruchstest überzeugte mich davon, dass es sich um Kunstleder handelt.

Die Datenübertragung

Damit kommen wir zu einem Schwachpunkt des PJB100. Die Datenübertragung geht leider nicht so flott voran, wie man es von modernen Playern gewohnt ist. Von Firewire und USB 2.0 mal ganz zu schweigen, reizt der PJB nicht mal den USB 1.1 Standard aus.

1 MB (errechneter Mittelwert aus mehreren Übertragungen) Ohne laufende Musik 3,66 Sekunden
1 MB (errechneter Mittelwert aus mehreren Übertragungen) Mit laufender Musik 11,36 Sekunden
The Art of Noise (50,7 MB)

Ohne laufende Musik

9 Minuten 35 Sekunden

The Art of Noise (50,7 MB)

Mit laufender Musik

3 Minuten 05 Sekunden

Software und Klang

Die interne Firmware des Player ist intuitiv zu bedienen und leistet sich keine Schwächen. Ein echtes Highlight: Man kann Musik hören, während man den Player an der USB Schnittstelle hängen hat und Musik auf den Player lädt. Der Prozessor lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, der Transfer geht dann allerdings deutlich langsamer voran.

Die Navigationsmöglichkeiten sind gut. Eine Shuffle-Funktion ist ebenfalls vorhanden. Man kann über eine Disk oder über alle Disks hinweg zufällig Musik abspielen.

Bemängeln könnte man bei der Firmware allenfalls das etwas gewöhnungsbedürftige Konzept der Ordnerstruktur. Es gibt nur ein zweistufiges Ablagekonzept.

Das ist mir genau eine Ebene zuwenig. Ich lege die Musik bei MP3 Playern, die ein freies Ordner-Konzept haben, gern nach dem folgenden Prinzip ab:

Erste Ebene: Musikstil (Pop / Rock / Jazz / Klassik / Audiobooks)

Zweite Ebene: Interpret oder Author des Audiobooks

Dritte Ebene: Name des Albums oder Audiobooks.

Bei der PJB100 dampfe ich dann Ebene 2 und 3 zusammen. Das ist nicht ganz so tragisch, da man durch den grossen Bildschirm und die guten Navigationseigenschaften des Players seine Titel doch recht schnell wiederfindet.

In der letzten Firmware haben die Programmierer auch noch zwei Spiele für die PJB100 implementiert. Ein netter Gag, vor allem, da der Player aufgrund seiner Bauform und der Tastenanordnung sehr gut als Spielgerät geeignet ist. Man muss zum Spielen den Musikgenuss natürlich nicht unterbrechen.

Die Upload Software der PJB100, der Jukebox Manager, ist unspektakulär. Er erlaubt den Upload von Musik auf den Player, und es gibt einen eingebauten Ripper, welcher Daten direkt von einem CD Laufwerk des Rechners aus encodieren kann. Ausserdem kann man über die Software einen Update der Firmware ausführen.

Die Ablage von Nicht - MP3-Daten oder der Rück - Download von MP3 Files vom Player auf die Festplatte eines angeschlossenen PCs ist nicht möglich.

Zum Glück gibt es aber auch noch den pjbExploder (siehe oberen Screeshot). Dieser ermöglicht es zum einen, den Upload der Songs eleganter per Drag and Drop aus dem Windows Explorer zu erledigen, zum anderen, kann man hier auch Stücke wieder zurück auf den PC befördern. Ausserdem ist noch ein Player eingebaut, ein Ripper und last but not least, erlaubt es der pjbExploder auch noch Nicht MP3 Files auf der PJB100 zu speichern und auch wieder auf einen PC zurückzuholen. Diese Fähigkeit muss man in den Optionen allerdings erst einschalten.

Insgesamt ist der pjbExploder also eine gelungene Sache. Dazu ist er noch kostenfrei. Einen Download-Link findet man ebenfalls auf der Seite des deutschen Distributors der PJB100.

Neben der Windows Anbindung (98/ME/2000/XP) gibt es auch Unterstützung für Mac OS (9 und X) und Linux für die Jukebox. Eine beeindruckende Palette, wenn man bedenkt, dass man für manches Fernost-Flash-Gerät schon nach einem Jahr keine Unterstützung für aktuelle Windows-Versionen mehr bekommt. Hier merkt man dann schon, dass die PJB in einer anderen Liga spielt.

Der Klang der Jukebox ist - nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Koppfhörer - hervorragend. Der subjektive Höreindruck ist sehr gut. Es gibt allerdings wenig Möglichkeiten den Klang nach eigenen Bedürfnissen anzupassen. Lediglich eine zweistufige Bassanhebung haben die Entwickler Ihrem Gerät spendiert.

 

Fazit

Obwohl es auch ein paar Schwachpunkte gibt, muss man unterm Strich doch sagen: Sie schlägt sich trotz des hohen Alters noch recht wacker, die Personal Jukebox.

Vor allem zusammen mit dem pjbExploder ist es ein Gerät, das wirklich Spass macht. Ein durchdachtes Bedienkonzept, der sehr gute Klang und eine Komplettausstattung, die man so bei keinem anderen Player findet. Die Batterielaufzeiten sind für einen HDD Player gut, und die Akkus sind durch den User austauschbar. Der Support durch den Importeur ist nach wie vor gut, und es gab bisher auch immer mal wieder den einen oder anderen Update bei der Firmware.

Ich kann das Gerät jedem empfehlen, der einen soliden HDD Player mit einem guten Klang sucht, und der auch morgen noch Support für sein Produkt haben will.

Pro Contra
Firmware upgradeable Etwas gross
Sehr guter Klang Nur zwei Ordnerebenen
Resume (sekundengenau) Relativ langsamer Upload
Mit freier Zusatzsoftware auch als portable Festplatte nutzbar  
In vielen Festplattenkonfigurationen erhältlich  
Gute Akkulaufzeiten  
Akku durch Benutzer wechselbar  
2 Spiele in neuester Firmware  

Last Modified: 07.02.2003 by Heimi