Der Archos 6000

Ein kleiner, kompakter Ziegelstein, aber irgendwie auch knuffig.
Nach dem Auspacken liegt der Packungsinhalt vor mir: Der Player selbst, gut geschützt in seiner blauen Neopren Tasche. Ein USB-Kabel für die Datenübertragung. Ein Kopfhörer, den man am besten gleich wieder einpackt. Er sieht zwar hübsch aus, klingt aber eher bescheiden. Die Software CD mit den notwendigen Treibern und der MusicMatch Jukebox Version 5.10.1118 als Vollversion in den gängigen europäischen Sprachversionen. Ich habe Sie nicht installiert,  da ich bereits die neuere 7er Version bei mir im Einsatz habe.

Das Handbuch empfiehlt, den Player vor der ersten Benutzung erstmal 6 Stunden zu laden. Also Ladegerät rein und ans Netz damit. Blöde Idee von Archos, das Netzteil an die Pappe der Verpackung anzukleben, es dauert eine Weile alle Klebstoffreste vom Ladegerät zu entfernen. Leider ist es ein einfaches Steckernetzteil, welches nur an 220V betrieben werden kann.

Dateiübertragung

Während des Ladens musste ich dann doch mal schnell ein paar Lieder auf den Player spielen. Die 3 vorinstallierten Stücke waren nicht nach meinem Geschmack ;-)

Also schnell an den Rechner angeschlossen. Die Installation der Software unter Windows 2000 ist kein Problem. CD ins Laufwerk, Kabel  anschliessen und einschalten. W2K erkennt das USB Gerät, die Treiber werden installiert, und schon steht ein neuer Laufwerksbuchstabe zur Verfügung.

So sollte es bei jedem USB Player sein ! Dadurch, das sich das Gerät als Laufwerk präsentiert, stehen alle Möglichkeiten offen. Per Drag und Drop werden ganze Verzeichnissbäume mit MP3 Files auf den Player übertragen. Ein nächträgliches Umsortieren der Stücke ist direkt auf dem Player rasend schnell möglich. Playlisten erzeugt der DOS-Kundige sehr schnell in einer Befehlszeile mit dir pop/*,* /s /B >list.m3u. Wieso muss man sich bei anderen Playern eigentlich mit mehr oder weniger gut programmierter Übertragungssoftware herumschlagen ?

Neben MP3 Files lassen sich so auch normale Daten- Dateien auf die portable Festplatte übertragen, - ein Feature, dass andere Hersteller derzeit (noch) nicht unterstützen.

 

Alle Pavarotti and Friends (347 MB)

5 Minuten 53 Sekunden

The Art of Noise (50,7 MB)

0 Minuten 47 Sekunden

Die Hardware

Hier gibt es zuächst eine Enttäuschung. Obwohl das Gerät ansonsten einen guten Eindruck macht, ist das Display nicht passgenau angebracht und im oberen Teil scheint deutlich das Licht der Hintergrundbeleuchtung durch die Ritzen im Gehäuse.
Das könnte ich ja noch verschmerzen, aber die Funktion des zentralen Steuerknopfes, den man an 4 Ecken drücken kann um die gängigsten Funktionen des Players zu bedienen, riecht nach einem Umtausch. Der Druck auf das Minus Symbol, um die Laustärke zu verringern oder in Listen nach Links zu gehen, spricht nur bei jedem dritten oder vierten energischen Druck an,  und der ganze Knopf wackelt deutlich hörbar im Gehäuse.

Davon abgesehen ist der Player aber gut verarbeitet. Durch die kompakte Bauform liegt er gut in der Hand. Das Display ist in der Werkseinstellung leider auf einen schlecht lesbaren Kontrastwert eingestellt. Sobald man das aber nachreguliert hat, ist das Display sehr gut lesbar. Ich würde mir nur etwas mehr Informationen wünschen. So sollte man statt der Laustärke lieber die Bitrate des aktuellen Stücks anzeigen, -wie laut der Player eingestellt ist,  höre ich schon selbst. Wenn man den Displaykontrast höher eingestellt hat, ist das Display sehr gut ablesbar.

Als Akkus sind 4 NiMH Akkus eingebaut. Aussen auf der Packung ist noch von NiCd Akkus die Rede. Hier hat sich Archos wohl im letzten Moment eines Besseren besonnen. In der Anleitung ist zwar beschrieben, wie man sie bei Bedarf auswechseln kann, das Verfahren ist aber nicht ganz einfach. Es empfiehlt sich wirklich, die Akkus erst dann auszutauschen, wenn man den Eindruck hat, die alten sind nicht mehr in Ordnung.

Die Anzeige des Batterieladestandes ist zwar sehr schön, aber leider nicht sonderlich genau. Nach 2 Stunden Spielzeit ist die Anzeige schon mal auf 0, nach einer Weile legt sie dann aber wieder auf einen Balken zu. Die Batterielaufzeit ist mit den 4 NiMH Akkus insgesamt aber sehr gut und liegt tatsächlich im Bereich von 8 Stunden.

Hörtest

Klanglich hat mich der Player schnell überzeugt. Mit meinen Koss PortaPro Kopfhörern und einem leicht modifizierten Bass und Treble Setting klingt er sehr schön. Bei sehr leisen Stücken stört schon mal das Laufgeräusch der Festplatte. Alle 2 Minuten läuft die Platte an, um den mit 2 MB etwas knapp bemessenen Pufferspeicher nachzufüllen. Danach scheint sie sich wieder komplett abzuschalten ,denn es ist beim besten Willen kein Laufgeräsch zu hören, wenn man am Gehäuse lauscht. Aber das ist auch wirklich nur bei extrem leisen Klassikpassagen zu hören. Kein Vergleich jedenfalls mit der permanent laufenden Festplatte der Creative Jukebox.

Das Gerät unterstützt alle Bitraten. Ich höre vor allem mit 75% VBR encodierte Frauenhofer MP3 Files und hatte keinerlei Probleme. Die vergangene Laufzeit wird trotz VBR korrekt angezeigt und springt auch nicht.

Die Navigation durch die Menuestruktur ist sehr gut gelöst. Man kann die Musikstücke nach eigenen Vorstellungen in Unterverzeichnissen ablegen. Bei mir liegt auf der obersten Ebene das Genre, darunter dann die Interpreten und darunter wieder die Alben. Dadurch, dass der Player auf Tastendrücke sehr schnell reagiert (bis auf die Minus Taste, siehe oben) kann man sich recht flott durch die Strukturen bewegen. Ein Symbol zeigt an, ob das, was man da gerade sieht, ein Verzeichnis ist, eine Playliste oder ein Musikstück. Die Verschachtelungstiefe der Ebenen wird ebenfalls angezeigt.

Das Gerät unterstützt Playlisten. Ich habe aber leider festgestellt, dass diese nicht so besonders umfangreich sein dürfen. Bis zu 3 Alben haben problemlos funktioniert. Bei einer Playliste, die den gesamten Bereich Pop enthält, zählt der Player bis 85 Stücke hoch und bleibt dann hängen. Eine Navigation durch die Verzeichnissebenen ist dann nicht mehr möglich. Der Player muss komplett abgeschaltet werden.

Nachtrag 11.2.01

Noch ein Wort zu den ID3 Tags. Am Anfang habe ich nicht so genau darauf geachtet, jetzt habe ich das Verhalten des Players aber mal genauer untersucht. Beim Suchen nach Titeln im Auswahlmodus werden die Filenamen der Titel ohne die Dateierweiterung angezeigt (auch scrollend, das Scrollen setzt automatisch nach 2 Sekunden ein). Wird der Song dann abgespielt, stellt das Display den ID3 Titel dar. Da das bei meinen mp3s oft identisch mit dem Filenamen ist, ist mir das nicht sofort aufgefallen.

Bei den Playlisten hat das Gerät ein paar Probleme mit der relativen Adressierung von Files. Die Playliste wird nur abgespielt, wenn die Stücke mit dem kompletten Pfad in der Playlist aufgeführt sind (also j:\pop\artist\album\track1.mp3 und nicht artist\album\track1.mp3). Ausserdem gibt es laut Archos Website eine Limitation auf 300 Songs pro Playliste.

Bezug

Ich habe meine Archos Jukebox damals übrigens recht günstig (685,-DM/350 € + Versand) bei Berger Datentechnik in Schwelm bestellt. Mittlerweile kostet Sie dort nur noch 331 €/647,- DM. Ich habe keinerlei finanzielle Vorteile dadurch, dass ich diese EMail hier poste und tue das nur, weil ich mit der prompten Lieferung bei Berger sehr zufrieden war.

Interessanter noch als die Jukebox6000 ist sicher der neue Rekorder von Archos. Er hat vor allem viel bessere Bedienelemente. Leider wurde mir mein Recorder vor kurzem gestohlen, so dass es hierfür keinen Testbericht mehr geben wird.

Fazit

Ein schönes Gerät zu einem guten Preis/Leistungsverhältniss. Die kleinen Macken sind zu verschmerzen. Eine harte Konkurrenz zur Creative DAP Jukebox.

Im direkten Vergleich zur DAP Jukebox punktet der Player vor allem durch den Formfaktor und die Akkulaufzeit. Aber auch der Preis ist ein gewichtiges Argument. Beide Geräte sind schließlich keine echten Schnäppchen. Ich denke Creative wird wohl den Preis nach unten anpasse müssen, um mit dem Archos konkurrieren zu können.

Über Anmerkungen und Ergänzungen zu diesem Aktikel freue ich mich wie immer sehr.

Mittlerweile habe ich auch den Bericht zur Creative D.A.P. Jukebox fertig. Viele Leute schwanken ja zwischen diesen beiden Geräten. Ich hoffe, ich kann Euch mit diesen beiden Berichten die Entscheidung etwas erleichtern.

Heimi