Nex II von Frontier Labs

Einleitung

Durch einen Bericht auf DMusic war ich auf den Nex II aufmerksam geworden. Ein kleiner Flash basierter Player mit Compact Flash Karten als Speichermedium (Typ II, auch IBM Microdrive kompatibel !). Leider setzen nicht sehr viele Hersteller auf CF Karten. Eigentlich komisch, denn es handelt sich hierbei um eine preiswerte und robuste Speichertechnologie, die zudem auch im Digitalkameramarkt sehr weit verbreitet ist.

Der Hersteller Frontier Labs versendet seine Geräte auch direkt von Hong Kong aus. Bei einem moderaten Preis von 99,- USD habe ich mal ein Gerät ohne Speicherkarte geordert.

Nach wenigen Tage hatte ich dann eine Benachrichtigung von meinem Post Express Lager und konnte den Nex II abholen. Durch Zoll und deutsche Märchensteuer hat der Player letztendlich dann doch stolze 318,-DM (incl. 15 USD Versand) gekostet. Dafür bekommt man schon einen Creative IIc mit 32 MB RAM. Aber der kann eben keine CF Karten lesen.

Lieferumfang

In einer hübschen flachen Box kommt der Player zusammen mit einer gut aussehenden, aber schmutzanfälligen weissen Neoprentasche, einem durchschnittlichen Kopfhörer, dem USB Verbindungskabel und einer Treiber CD. In einer knappen Bedienungsanleitung wird die Funktionsweise erklärt, aber da die Bedienung weitestgehend intuitiv ist, habe ich nicht hineingesehen.

Dann liegen noch 3 Skins in der Packung, mit denen man das Aussehen des Players abwandeln kann. Dabei wird der farbige Teil unter der Plastikabdeckung ausgetauscht. Eine gute Idee. Leider verkratzt man dabei sehr leicht die Plastikabdeckung. Durch den Zugriff auf die farbige Schablone eröffnen sich noch ganz andere Möglichkeiten des Designs, wie Ihr oben sehen könnt ;-)

Auf der CD ist ausser den USB Treibern noch ein Windows Media Player Version 7 und eine Media Jukebox Version 5 enthalten. Beide Softwarepakete sind keine grosse Bereicherung, da man diese Versionen auch frei aus dem Netz laden kann.

Die Software ist schnell installiert, und der Player präsentiert sich danach als ein weiteres Laufwerk im Windows Explorer. Eine sehr schöne und zeitgemäße Art einen MP3 Player anzubinden, zumal man dadurch auch ‘nicht-MP3 Dateien’ auf das Gerät laden und es so als externes CF Karten Laufwerk ‘missbrauchen’ kann.

Die Hardware

Das Gehäuse des Nex II ist komplett aus Plastik und macht einen soliden Eindruck. Die Anordnung der Tasten ist sinnvoll, und man hat die Positionen der Tasten schnell im Gedächtnis. So kann man den Player auch dann noch bedienen, wenn er in der Tasche steckt und am Gürtel hängt.

Leider hat man dem CF Card Slot keine Abdeckung spendiert. Wenn keine Karte eingesteckt ist, hat man freie Sicht auf die Platine. Sicher keine tolle Lösung, da hier leicht Schmutz eindringen kann.

Als zentrales Bedienelement dient ein Jog Dial an der linken Gehäuseseite. Durch einen Druck auf den Button schaltet sich der Player ein. Nach dem Einschalten präsentiert sich der Inhalt der CF Karte in einem acht (!) - zeiligen Display. Musikstücke werden mit einem Notensymbol, Ordner mit einem Folder Symbol dargestellt. Mit Hilfe des Jog Dials kann man problemlos durch die Ordnerhierarchie navigieren und Musikstücke auswählen.

Leider unterbricht jeder Navigationsvorgang das laufende Musikstück. Auch der Aufruf des Funktionsmenues beendet das laufende Stück.

Unterhalb des Jog Dials kann man die Lautstärke Buttons erkennen. Der Player hat eine ausreichende Lautstärke und dazwischen sind ausreichend feine Abstufungen möglich.

Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Lock Button, die Menuetaste (Fun) und der Stop Button. Durch einen langen Druck auf den Stop Button wird der Player ausgeschaltet und verabschiedet sich mit einem lustigen Bye Bye vom Benutzer.

Das Display ist hintergrundbeleuchtet und erstrahlt in einem hübschen Blauton.

Die Lock Taste sperrt den gesamten Player gegen unbeabsichtigte Bedienung. Unverständlicherweise lässt sich der Player aber trotz gesetzem Lock einschalten.

Da der Rand der Tasche weit heruntergezogen wurde, kann man den Nex II auch in der Tasche problemlos bedienen. Das Jog Dial und der Lock Schieber sind so direkt erreichbar. Die übrigen Tasten kann man zur Not auch durch die Tasche hindurch drücken.

Der Player wird von zwei (!) AA Batterien betrieben. Eine ungewöhnliche Sache, meist verwendet man in diesem Bereich nur eine AA Batterie oder zwei AAA Micro Zellen. Die Batterieversorgung ist dann auch einer der Kritikpunkte am Nex. Zum einen wird das Gerät durch die zwei AA Batterien sehr schwer, zum anderen ist das Batteriefach so blöd konstruiert, dass man echte Probleme hat, die zweite Batterie - die, die ganz unten im Gehäuse sitzt überhaupt wieder rauszubekommen. Das muss man aber schaffen, da es keine Möglichkeit gibt die Akkus im Player aufzuladen. Ich habe es mit blossen Fingern nie geschafft die untere Zelle aus dem Gehäuse zu bekommen und habe mit den verwendeten hilfsmitteln (Münzen oder Besteck) schon manche gute Akkuzelle vermackelt. Die Akkulaufzeiten sind erwartungsgemäss sehr hoch. Leider habe ich hier noch keine exakten Messungen gemacht, aber ich schätze die Laufbeit auf > 15 Stunden.

USB Übertragungszeiten

Die Übertragungsraten der USB Verbindung sind ok. Über meinen Sandisk USB Adapter erreiche ich glatte 2 Minuten für 1 MB.

1 MB (errechneter Mittelwert aus mehreren Übertragungen)

2,56 Sekunden

The Art of Noise (50,7 MB)

2 Minuten 05 Sekunden

Software und Klang

Die Menuetaste ruft ein detailliertes Einstellungsmenue auf. Neben einigen Klang Presets (Flat, Rock, Latin, Dance und Jazz) ist dort auch ein hübscher Equalizer für ein benutzerdefiniertes Klangpreset.

Durch zweimaliges Drücken beider Lautstärkereglertasten kann man in das Modus und in das Klanp-Preset Menue verzweigen und bei laufender Musik die Klang Presets ausprobieren.

Die Hintergrundbeleuchtung lässt sich auf Permanent und Automatisch einstellen. Bei der Automatik geht das Licht nach 4 Sekunden wieder aus und schaltet sich bei jedem Tastendruck wieder ein.

Das Display lässt sich aus dem Normal View in den Spectrum View schalten, dann wird die abgespielte Musik in einem hübschen Spektrum angezeigt. Eine nette Spielerei.

Die Software des Players ist upgradefähig. Alle hier gemachten Aussagen beziehen sich auf den Firmwarestand 1.32.

Was leider fehlt, ist eine Resume Funktion. Diese soll laut FL in der Firmware Version 1.4 kommen, die bereits in Arbeit sei.

Die fehlende Resume Funktion ist vor allem deshalb besonders ärgerlich, weil das Vor- und Zurückspulen mit dem Player nur quälend langsam vonstatten geht. Wer mal mit dem Player ein 50 Minuten Hörstück bis kurz vor das Ende vorspulen will, weiss wovon ich spreche.

Das Gerät spielt nur MP3 Files. WMA ist ihm (noch ?) fremd. Bei VBR encodierten Stücken macht die Zeit und die Gesamtzeitanzeige einige Purzelbäume, aber das Stück selbst spielt der Player sauber ab. Sicher ist es nicht einfach bei einem VBR Stück die Restzeit zu berechnen, aber andere Hersteller haben das Problem ganz offensichtlich besser gelöst.

Insgesamt wirkt die Software sehr verspielt. An vielen Stellen gibt es gute Detaillösungen, aber unterm Strich fehlen viele Dinge oder sind so schlecht implementiert, dass man sich fragt, wer da eigentlich für die Software Entwicklung verantwortlich ist.

Das Gerät hat eine recht ordentlichen Klang. Beim Abspielen von Mono Hörspieldateien ist manchmal ein störendes Wispern im Hintergrund zu hören.

Fazit

Der Player hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Gute Lösungen sind gepaart mit echten Macken. Das sehr gute Dislay entschädigt für vieles, aber das fehlende Resume in Verbindung mit dem extrem langsamen Spulen lässt mich dann wieder zweifeln.

Das Gerät ist sicher eine gute Lösung für Leute die bereits CF Karten einsetzen. Mit einem 1 GB IBM Microdrive kommt  man so auf jede Menge Musik. Bei Microdrives soll es allerdings auch Aussetzer geben, die durch Erschütterungen verursacht werden. Da ich kein Microdrive besitze, kann ich das nicht bestätigen, die Berichte darüber habe ich auch nur auf mp3.com gelesen.

Schön wäre es, wenn Frontierlabs einen deutschen Vertriebskanal hätte. Durch Zoll und Mwst. wird der eigentlich recht preiswerte Player so doch relativ teuer.

Ich habe alle meine Kritikpunkte an der Software an FL gemailt und nach kurzer Zeit eine nette Antwort erhalten. Sie nehmen Kritik tatsächlich ernst, auch wenn Sie nicht alles verstanden haben, was ich kritisiert habe, lag vielleicht auch an meiner englischen Ausrucksweise. Auf jeden Fall schön, dass man auf Anregungen reagiert. Ich bin schon gespannt auf die Firmware 1.4.

Update 30.12.2001

Es hat sich einiges getan rund um den Nex II. Mittlerweile gibt es die Firmware 1.4M bzw. 1.4C (optimiert für Microdrives bzw. CF Cards). Sie unterstützt jetzt echtes Resume. Sekundengenau. Genial ist die Idee, automatisch ein paar Sekunden zurückzugehen für das Resume. Dadurch entsteht eine Art Wiedererkennungseffekt beim Hören.

Auch einen deutschen Vertrieskanal gibt es mittlerweile. Unter www.nex2.de kann man den Player jetzt mit voller deutscher Garantie ordern. Die Firma bietet sowohl den reinen Player, als auch interessante Bundles mit CF Karten und Microdrives an. Gerade die Preise mit den Microdrives sind sehr interessant.

 

Last Modified: 30.12.2002 by Heimi