MPIO FL100

Einleitung

MPIO wartet im Frühjahr 2003 mit einem ganzen Feuerwerk neuer MP3 Player auf. Eines der bemerkenswertesten Geräte ist der neue FL100. Digit@lway geht hier in der Tat ganz neue , digitale Wege. Neu ist z.B. das Material des Players, statt Plastik wurde Aluminium verbaut. Die Frontplatte ist aus einem spiegelnden Material gefertigt, das auch einen schnellen Makeup-Check erlaubt. Neu ist auch der Einsatz eines MMC/SD Card Slots, anstatt des bei MPIO Geräten üblichen SMC Steckplatzes.

Alles Gründe sich das schicke kleine Ding mal näher anzusehen. Der deutsche Importeur Peros war so freundlich, mir ein Testgerät mit 128 MB internem Speicher zur Verfügung zu stellen.

Der Lieferumfang

Der FL100 kommt mit einer kompletten Ausstattung daher. Neben dem Player, der Software zum Upload, einem recht ordentlichen Kopfhörer und einer Alkali Batterie, befinden sich noch ein paar Dinge im Lieferumfang, die nicht selbstverständlich sind. Eine Handschlaufe, die aber leider so klein gehalten ist, dass ich sie nicht über die Hand bekomme und eine sehr elegante und praktische Ledertasche, in welcher der Player gut geschützt ist, die aber trotzdem den Zugriff auf alle wichtigen Bedienelemente ermöglicht.

Die Hardware

An der Verarbeitung der Hardware ist wenig auszusetzen. Das Aluminiumgehäuse mit der spiegelnden Oberseite ist sehr gut verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck. Alle Bedienelemente sind sinnvoll angeordnet und auch ohne Hinsehen leicht zu ertasten. Mit 34 Gramm (46 incl. Batterie) ist er ein echtes Leichtgewicht.

Der SD Card Slot ist mit einer gut schliessenden Klappe gegen evtl. eindringenden Schmutz geschützt. Die Klappe schliesst bündig mit dem Gehäuse ab. Neben MMC Cards kann man im FL100 auch SD Cards abspielen. Ich habe SD Cards bis zu einer Größe von 256 MB erfolgreich im Player abspielen können. Ein Umschalten zwischen internem Speicher und der Speicherkarte ist nicht notwendig. Wenn der Player den internen Speicher abgespult hat, wechselt er automatisch auf den Kartenspeicher. Welches Speichermedium gerade genutzt wird, kann man an einem kleinen Symbol im Display erkennen.

Durch die Verwendung des SD Card Steckplatzes, ist es möglich den Player, den es ja auch in einer 256 MB Variante gibt, bis zu 512 MB Gesamtspeicher aufzurüsten. Das ist schon eine beeindruckende Menge an Speicher.

Neben dem MMC/SD Card Slot sind auch die übrigen Öffnungen mit stabilen Klappen geschützt.

Der Schalter zum Einschalten des Players ist sehr exponiert auf der Oberseite des Gerätes angebracht (das Dreieck das man auf den Bildern sieht). Beim Hantieren mit dem Gerät kommt man schon mal unabsichtlich auf diesen Schalter und bringt den FL100 damit in den Pausen-Modus. Es gibt aber auch einen Lock-Schieber, mit dem man solche Fehlbedienungen vermeiden kann.

Das Display hat eine sehr schöne blaue Hintergrundbeleuchtung und ist gut ablesbar.

Eine Schwäche leistet sich der MPIO beim Scroll-Wheel. Leider reagiert dieses Rad bei meinem Testplayer nicht korrekt auf Tastendrücke. Manchmal führt er die gewünschte Aktion beim ersten Tastendruck aus, manchmal braucht es 5 oder mehr Tastendrücke, um eine Reaktion des Players zu erhalten. Wahrscheinlich ein Kontaktproblem, dass nur bei diesem konkreten Gerät auftritt.

MPIO scheint einen recht langsamen Prozessor zu verwenden. Beim Starten des Players, muss man fast 20 Sekunden warten bis er bereit ist abzuspielen oder aufzunehmen. Zum Vergleich: Ein Pontis SP600 braucht 6 Sekunden, ein Panasonic SD-75 und ein IRiver IFP180T brauchen eine Sekunde bis sie abspielbereit sind. Auch wenn sich 20 Sekunden nicht wie eine Ewigkeit anhören, ist die Warterei auf Dauer doch etwas nervig.

Die Datenübertragung

Der Download auf den Player erfolgt über eine USB 1.1 Verbindung. Auf der Unterseite des Gerätes befindet sich eine kleine USB-Buchse. Der Player wird unter Windows 2000 sauber erkannt, und das System fordert zur Installation der Treiber auf.

Der MPIO Manager, einer der Schwachstellen bei den MPIO Geräten der ersten Generation, wurde komplett überarbeitet. Er leistet sich jetzt deutlich weniger Schwächen. Deutsche Umlaute sind weder für den MPIO Manager, noch für den Player ein Problem. Auch Datenfiles stellen kein Problem für den Player dar. Man kann beliebige Dateien auf das Gerät kopieren. Der Inhalt der Datenfolder sorgt dann allerdings im MPIO Manger für einige Verwirrung in der Anzeige.

Leider kann man Datenfiles nur mit Hilfe des MPIO Managers up- oder downloaden. Das schränkt die Möglichkeit, den Player als tragbares Speichermedium zu verwenden natürlich erheblich ein, da man auch auf dem Zielgerät die MPIO Software installieren muss.

Alle ermittelten Transfer - Werte wurden auf einem Pentium 4 System mit 512 MB RAM und Windows 2000 gemessen. Der FL100 war mit der, zum Testzeitpunkt aktuellen, Firmware 1.10 ausgestattet.

1 MB (errechneter Mittelwert aus mehreren Übertragungen)

intern

2,86 Sekunden

1 MB (errechneter Mittelwert aus mehreren Übertragungen)

SM

3,33 Sekunden

The Art of Noise (50,7 MB)

intern

2 Minute 25 Sekunden

The Art of Noise (50,7 MB)

SM

2 Minute 49 Sekunden

Batterielaufzeiten

Die angegebenen 11 Stunden Laufzeit werden leider nicht erreicht. Obwohl MPIO Geräte für Ihre sehr guten Batterielaufzeiten bekannt sind, habe ich in mehreren RunDown-Tests (ununterbrochenes Abspielen bis zum automatischen Abschalten des Gerätes) mit 700 mAh NiMH Akkus (Ansmann) nur Zeiten zwischen 5 und 6 Stunden erreicht. Mit Alkali Batterien liegen die Werte bei respektablen 8 Stunden. Aber wer will einen MP3 Player, der intensiv genutzt wird, schon mit Alkali-Zellen betreiben? Neben dem Umwelteffekt geht das auf die Dauer auch ganz schön ins Geld.

Das Konzept einen MP3 Player mit einer einzigen AAA Batterie zu betreiben ist aus meiner Sicht auch recht ehrgeizig. Schade, das MPIO hier mit den Aussagen zur Laufzeit seinen sonst guten Ruf bei Batterielaufzeiten aufs Spiel setzt.

Software und Klang

Leider scheinen sich auch in der aktuellen Firmware 1.1 des FL100 noch einige Fehler eingeschlichen zu haben. So gibt es ähnlich, wie beim Pontis und beim NexII deutlich Knackser, wenn während des Abspielens durch die Folderstruktur navigiert wird. Diese sind zwar deutlich leiser als beim Nex, aber dennoch störend. Hier sollte MPIO unbedingt noch nachbessern.

Das Display stellt trotz seiner Grösse sehr übersichtlich alle notwendigen Informationen zum abgespielten Stück dar. So sieht man sehr übersichtlich in einer Reihe das ID3 Tag, die fortlaufende Nummer des Stückes, sowie die Anzahl der Stücke im aktuellen Folder gesamt. Ausserdem wird die Länge des aktuellen Stückes, sowie dessen Fortgang angezeigt.

In der untersten Zeile ist dann noch die Codierung (WMA oder MP3) und der Playmodus (Shuffle / Repeat One/ Repeat All/ Normal) abzulesen. Ausserdem befindet sich hier die sehr zuverlässige Batterieanzeige. Ist die Batterie leer, schaltet der Player nicht unkontrolliert ab, sondern gibt noch eine Warnmeldung aus, bevor das Gerät kontrolliert ausgeschaltet wird.

Die gesamte Menuestruktur des Players ist logisch aufgebaut und auch ohne Handbuchstudium leicht erlernbar. Wieso digit@lway es zwar schafft ein deutsches Handbuch beizulegen, die Firmware aber keine deutsche Sprachoption beinhaltet, verstehe ich allerdings nicht ganz.

Das Radio hat eine ausreichende Empfangsqualität und kann auf Mono Empfang umgeschaltet werden. Das ist auch gut so, denn Empfagswunder sollte man von einem portablen Miniradio nicht erwarten. Es gibt einen sogenannten Auto Preset Suchlauf der die 20 stärkstenSender des Gebiets automatisch speichert.

Das Frequenzband kann auf die jeweilige Verkaufsregion umgestellt werden (siehe Screenshot).

Auch die Equalizer Einstellungen sind recht umfangreich. Neben den üblichen Presets wie Klassik, Rock, Pop und Jazz gibt es zusätzlich die Möglichkeit ein User Preset auszuwählen. Dabei können ganz gezielt bestimmte Frequenzbänder beeinflusst werden.

Die Bänder sind nach Kiloherz aufgelistet und können in 5 Stufen angehoben oder abgesenkt werden. Der Klang des FL100 ist recht gut. Selbst über die mitgelieferten Ohrstöpsel kommt ein recht dynamischer, wenn auch etwas bassschwacher Klang. Die Lautstärke des FL100 lässt sich in 40 Stufen einstellen. Ab 30 wird es selbst mir zu laut. Endlich mal ein MP3 Player, der eine ordentliche Laustärke hat, viele Geräte haben mir eine zu geringe Maximallaustärke.

Die Recording Funktion kann auf zwei Arten gestartet werden. Entweder aus dem MP3 Modus, oder,wenn der Player gestoppt ist, wird über das integrierte Mikrofon aufgezeichnet. Die Qualität der in WAV aufgezeichneten Sprache ist recht gut. Alternativ kann man auch ein laufendes Radioprogramm über den roten Aufnahmeknopf auf der Vorderseite des Gerätes aufzeichnen. Hierbei ist der Qualitätsverlust gegenüber der original FM Qualität aber deutlich zu hören. Die Aufnahmen klingen recht dumpf. Die Aufnahmedauer hängt vom verfügbaren Speicher ab. Bei komplett freiem internem Speicher (128 MB beim Testgerät) gibt das Display 558 Minuten Aufnahmedauer an. Da wird wohl doch eher die Batterie schlapp machen.

Zum Bespielen des DL100 kann man neben dem MPIO Manager2 auch diverse Plugins verwenden. Im Lieferumfang des Players befinden sich jene für RealOne, den Windows Media Player und für iTunes. Sehr löblich, dass MPIO auch an die Mac User denkt.

Von RealOne ist ausserdem eine Version beigefügt, die MP3 Encoding bis 320 kbps erlaubt. Es handelt sich aber nicht um die relativ teure Plus Version. Mit dem RealOne Plugin und dem optionalen WMA Plugin (und natürlich auch mit dem Windows Media Plugin) kann man den player dann auch mit selbst erstellten WMA Stücken füttern.

Ausserdem kann man das bekannte FPIO Programm verwenden, das bereits in den Testberichten zum DMG und DMB+ erwähnt wurde.

Der MpioManager2 ist bei all dieser Vielfalt die schlechteste Wahl . Er war beim Test des FL100 doch hin und wieder noch instabil und nervte mit unverständlichen Fehlermeldungen wie -

- oder sporadischen Totalabstürzen mit oder ohne Fehlermeldung. Alle hier gezeigten Fehler traten aber nur sporadisch auf und liessen sich nicht reproduzieren.

Interessant fand ich die Möglichkeit, Fehlermeldungen abzuschalten (siehe oben).

Die schlimmsten Bugs waren allerdings hörbare Aussetzer bei der Decodierung einiger MP3 Files, die mit 160 kbps encodiert waren. 128 kbps MP3 und auch WMA Stücke spielt der Player ohne Probleme ab. Ein Check der fehlerhaft abgespielten Titel auf einem Referenzgerät (iPod) ergab keine Abspielprobleme. Der Fehler trat aber auch nur sporadisch auf.

Fazit

Wie so oft, wechseln sich Licht und Schatten ab bei diesem Gerät. Eine sehr schön verarbeitete Hardware und ein zukunftsorientiertes Softwarekonzept. Die Verwendung von SD Cards, die auch tatsächlich bis 256 MB funktionieren. Ein kompletter Lieferumfang mit einer sehr schönen Tasche und eine gute Encodiersoftware. Die Schwächen des MpioManagers kann man verzeihen, da es ausreichend Alternativen gibt. Hier gefällt vor allem die Mac Unterstützung und das PlugIn Konzept für die führenden Encoder Programme am Markt. Das iTüpfelchen wäre jetzt noch ein MusicMatch Jukebox PlugIn.

Was nicht so gut gefällt, ist die Batterielaufzeit und die vielen kleinen Bugs in der Firmware. Probleme, wie das Knacksen beim Ordnerwechsel scheinen aber nicht bei allen Usern aufzutreten. Vielleicht habe ich auch einfach nur ein Montagsgerät erwischt.

Auf jeden Fall ist der Mpio eine Kaufempfehlung. Womit wir beim Preis wären. Der ist in der Tat zu hoch, wie ich finde. Stolze 329,-EUR soll man in Deutschland für den FL100 mit 256 MB Speicher zahlen. Immerhin noch 245,- EUR für die getestete 128 MB Variante. Das ist aus meiner Sicht zuviel, zumal man den Konkurrenten von IRiver schon für 249/199 EUR bekommt.

Diese beiden und der FD100 von MPIO sind aus meiner Sicht derzeit die besten Flash-Speicher Geräte, die man auf dem deutschen Markt kaufen kann. Ihr dürft gespannt sein auf den kommenden Test des IFP190T.

Pro Contra
Solide Verarbeitung mit hochwertigen Materialien Sporadische Aussetzer bei MP3 Stücken mit 160 kbps Bitraten
Umfangreicher Lieferumfang mit hübscher Tasche Spezifizierte Batterielaufzeiten werden nicht erreicht.
Resume (sekundengenau) Fehler bei der Navigation (Datenfolder kann nicht verlassen werden)
Sprachaufzeichnung Hoher Preis
Interner Speicher und zusätzlicher MMC/SD Card Slot  
Akkutauglich  
Als Datenträger nutzbar (nur mit Upload Software nutzbar)  

 

Last Modified: 24.02.2003 by Heimi